17.06.2016

In den Medien und der Politik schlägt die Startup-Besteuerung grosse Wellen: Die bürgerlichen Parteien erzeugen mit politischen Mitteln Druck auf Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, Jungunternehmer überlegen sich ernsthaft einen Wegzug aus dem Kanton Zürich und die Medien beklagen die Zukunftsfähigkeit des Standort Zürichs.

In seinem Interview (in Englisch) auf dem Blog der Swiss Startup Association sagt Staff Finder Gründer Viktor Calabrò offen, dass er künftig mit dem Standort London für sein Startup liebäugelt. Er selbst musste seinen Wohnsitz wegen der Zürcher Steuerpraxis von der Stadt Zürich nach Wollerau im Kanton Schwyz verlegen. Auch andere Startup-Gründer beklagen, die Steuern belasten ihre Unternehmen schwer.  Trotz dieser Absage an den Startup-Standort Zürich, ändert der Kanton Zürich seine Steuerpraxis nicht.

Das Steueramt bewertet Aktien von Startups ab dem vierten Geschäftsjahr mit den Angaben der letzten Finanzierungsrunde. Für Unternehmer eine schlechte Ausgangslage: Es ergeben sich massive Auswirkungen auf die private Vermögenssteuer der Gründer. Calabrò rechnete vor einigen Tagen der Tagesschau vor, wie sich diese Zahlen zusammensetzen und warum die Steuerpraxis für ihn als Unternehmer nicht tragbar ist. Deshalb sein Wegzug ins Schwyzerische Wollerau. Dort wird die übliche Substanzbewertung vorgenommen. Auch in anderen Kantonen wird nicht nach Zürcher Steuerpraxis vorgegangen.

Wegzug droht

Der Wegzug von erfolgreichen Startup-Gründern aus dem Kanton Zürich ist ein realistischens Zukunftszenario. Regierungsrat Ernst Stocker scheint das wenig zu interessieren. Politiker wie die Grünliberale Kantonsrätin Judith Bellaiche schlagen Alarm. Vor rund einer Woche hat sie eine Medienkonferenz zusammen mit der Swiss Startup Factory einberufen. Diese Medienkonferenz stiess auf reges Medieninteresse. Nun berichten auch die Neue Zürcher Zeitung NZZ, die Tagesschau, 20 Minuten und andere grosse Medien über die Situation der Schweizer Startups: “Ich setze mich für den Innovationsstandort Zürich ein. Wir müssen zurück zur Praktiker-Methode, damit Startups nach Substanz- und Ertragswert besteuert werden. Jetzt nimmt das Steueramt fiktive Werte als Bemessungsgrundlage”, begründet Judith Bellaiche ihren Appell. In einem Statement in der Zeitung 20 Minuten doppelte sie nach: “Die Wirtschaftspolitik des Kantons macht keinen Sinn. Zürich gibt auf der einen Seite Millionen für die Standortförderung aus und vertreibt andererseits Startups durch die restriktive Besteuerung”.

Bei den Aussagen von Judith Bellaiche sind die Worte “Innovation” und “Standortförderung” besonders brisant: Es ist für viele Jungunternehmer und Gründer unverständlich, weshalb Zürich seine eigene Innovationskraft mit einer Steuergrundlage, die auf fiktiven Werten basiert, hemmt oder gar vernichtet. Viktor Calabrò hat es im Interview mit Swiss Startup Associaton auf den Punkt gebracht: “Wir schaffen Arbeitsplätze für dieses Land. Startups sollten unterstützt werden. Sie sind die Zukunft der Schweiz”. Die Steuerpraxis steht auch im Gegensatz zu den Anstrengungen, die Zürich im Rahmen von DigitalZurich2025 unternimmt. ”

Paradoxon von Standortförderung und Steuerpraxis

Diese Claims verlieren an Glanz, wenn sie einer veralteten Steuerpraxis gegenüberstehen. Viele Städte weltweit versuchen sich derzeit als Startup- und Innovationhub zu positionieren. Das gelingt aber nur, wenn die Politik und Gesetze dieses Vorhaben untersützen und nicht sabotieren. Eine “Innovationsstrategie” klingt gut und viele europäische Stadt schmücken sich in den letzten Jahren gerne damit. Innovation kann aber nur entstehen, wenn sie auch auf politischer Ebene unterstützt und gelebt wird. Möchte der Kanton Zürich im internationalen Standortwettbewerb bestehen, muss es den Startups  – die Innovationstreiber für neue Technologien, Digitalisierung und zukunftstaugliche Geschäftsmodelle – den Weg ebenen und sie in allen Belangen untersützen. Denn ein Startup hat schon genug Herausforderung mit dem Bestehen im globalen Wettbwerb. Nur wenige schaffen es, langfristig erfolgreich zu sein. Staff Finder ist ein solche Beispiel.  Mittlerweile beschäftigt das Startup über 120 Mitarbeiter. Trotzdem werden Gründer Viktor Calabrò vom Kanton Zürich, der sich Innovationskraft auf die Fahne geschrieben hat, Steine in den Weg gelegt. Es braucht keine Sonderbehandlung von Startups in Zürich. Aber es braucht ein dringend nötiges Verständnis, dass die Bewertung und der geschäftliche Werdegang von Startups anders als bei herkömmlichen Unternehmen funktioniert.

Verständnis erreichen

Die bürgerlichen Parteien haben das Thema Startup nun auf die Agenda gesetzt – einerseits, weil sie den Standort Zürich in die Zukunft bringen möchte, anderseits auch, weil sie sich erhoffen, im dynamischen Fahrwasser von Startups die Themen der nächsten Generation von Wählern anzusprechen. Auf nationaler Ebene passiert auch einiges: Verschiedene Vorstösse werden nun eingericht. Damit sich die Steuerpraxis ändert, müssen Gründer und Startups ihre Arbeit und ihre Ziele der Politik näher bringen. Nur wenn Politker und damit auch das Volk verstehen, warum der Beitrag von Startups so eminemt wichtig für die Zukunft des Standorts Zürich ist, werden alte Denkmuster verabschiedet und neue, zeitgemässe Modelle entwickelt. Damit das gelingt, brauchen Startups im Kanton Zürich – dem wichtigsten Startup-Platz in der Schweiz – eine gemeinsame Stimme.

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