09.06.2016

Ausgerechnet ein Telekomunternehmen – die Swisscom – schafft, was Banken bisher versäumt haben: Ein potenter Invesmentfond mit einem wahren finanziellem Spielraum für Fintech-Startups. Damit verfährt die Swisscom nach dem Google-Prinzip. Anstatt die verwandte Branche ins Boot zu holen, steigt sie selber in einen neuen Markt ein.

Die Fintech-Branche in der Schweiz legt kräfig zu, wie auch die im März erschiene Studie des Institut für Finanzdienstleistung in Zug bestätigte. Das Potenzial ist aber noch längst nicht ausgeschöpft, wie Fintech-Pionier im Interview mit Swiss Startup Association sagte. Wer das aber kaum zu bemerken scheint sind die Betroffenen selbst. Die Banken bauen lieber neue Filialen anstatt sich ernsthaft um die Digitalisierung der Branche zu kümmern. Dafür erkennen andere Big Playser die Chance von Fintech für den Schweizer Standort. Andere, die zwar viel mit ICT, aber weniger mit Finanzen zu tun haben. In diesem Fall die Swisscom, die sich schon seit geraumer Zeit für Startups einsetzt.

Der blaue Riese teilte heute mit, ihren Cluster Swisscom Ventures mit einem dezidierten FinTech Fund von über 10 Millionen Franken zu erweitern. Damit möchte das Unternehmen gezielt in FinTech-Startups investieren. Bereits heute begleitet die Swisscom mehr als die Hälfte der Schweizer Banken bei der Digitalisierung und hilft den rund 200 FinTech-Startups in der Schweiz, im Rahmen des KickStart FinTech Accelerator von DigitalZurich2025 oder anderen Challenges ihre Angebote zu platzieren. Das reicht der Swisscom aber noch nicht. Deshalb möchte sie noch mehr Investments im Zukunftsmarkt Fintech tätigen und neue Ideen unterstützen.

Der Fintech Cluster, unter der Leitung von Johannes Höhener, möchte die Zusammenarbeit mit Fintech-Startups auch internationalisieren. Dabei geht es um Crowdfunding, Lending, Identitätsmanagement und Blockchain sowie die dringend nötige Digitalisierung von Klein- und Mittelunternehmen. “Unser Ziel ist es, Innovationen in einer frühen Entwicklungsphase zu identifizieren, gemeinsam mit den Startups Geschäftsideen zu prüfen und die Angebote zusammen mit unseren Banking-Spezialisten zur Marktreife zu bringen”, schreibt die Swisscom.

Mit Swisscom Ventures hat der Telekom-Gigant seit Jahren über 100 Millionen Franken in Startups investiert. Mit dem dedizierten FinTech Fund kommen weitere 10 Millionen dazu. Somit können gezielt Partnerschaften mit Potential für die Finanzindustrie eingegangen werden. Swisscom fokussiert dabei auf nationale und internationale FinTech Wachstumsthemen und beteiligt sich an Early Stage und Series A Finanzierungsrunden. Dieser Schritt der Swisscom ist ein wichtiges Zeichen für die Schweizer Fintech-Szene. Bis anhin gab es in der Schweiz kaum nahmhafte Investmentfunds bei Finanzdienstleistungen. Der Kickstart Fintech Accelerator, der auch von UBS und Credit Suisse unterstützt wird, verfügt über rund eine Million Franken.

Die Swisscom meint es wohl ernst und glaubt daran, dass die Schweiz durch ihre Tradition im Finanzwesen ein optimaler Platz für Fintech ist. Mit diesem Zeichen stärkt der Telekomriese die Fintech-Szene. Das Bekenntnis ist eine Investition in die Zukunft. Die Banken hingegen stecken in der Vergangenheit fest. Bemühungen für die Digitalisierung sind zwar da, aber wirklich innovative Angebote können UBS, Credit Suisse und Co. nicht vorweisen. Mit dem Fintech-Fond setzt die Swisscom nun neue Masstäbe – und wird selber lansgsam aber sicher zur heimlichen Macht im Bankensektor. Dabei geht die Swisscom ähnlich vor wie Google beim Thema selbstfahrende Autos: Kooperationen mit Autoherstellern sind schwierig, weil sich diese nicht ins eigene Fleisch beissen wollen. Deshalb hat Google seine selbstfahrenden Autos einfach selber entwickelt.

Die Schweizer Banker betonen zwar in Interviews, dass ihnen die Digitalisierung wichtig ist, aber konkrete Handlungen sind dabei nicht in Sichtweite. Dabei dümpelt die Schweiz in Sachen Fintech im europäischen Mittelfeld. Obwohl das Land als Finanzplatz doch einen höheren Anspruch haben sollte. Die Ansage der Swisscom ist ein Anfang. Mit der Bekanntgabe des Investmentfunds fordert die Swisscom aber auch die Schweizer Fintech-Startups heraus.  Neue Ideen und Anwendungen sind gefragt.

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